Wüstung Lankow

Das Dorf Lankow lag auf einer Halbinsel am Lankower See auf dem Gebiet der Gemeinde Dechow.

Auf der schmalen Straße zum Dorf ist noch Kopfsteinpflaster zu sehen. 2009 wurde ein symbolisches Ortsschild aufgestellt. Der weitere Weg ist unbefestigt und führt durch die Wiesen hinunter zum ursprünglichen Ortskern. Hier findet sich ein Gedenkstein und eine Schautafel, auf der die Lage der damaligen Höfe eingezeichnet ist. Außerdem wurden von ehemaligen Einwohnern zur Erinnerung sechs Linden gepflanzt.

Nach den Ergebnissen von Ausgrabungen muss die Gegend bereits vor 10.000 Jahren besiedelt gewesen sein.
Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1209 (Erlass des Ratzeburger Bischofs).
1312 verkaufte die Familie von Ritzerow Klein Lankow an das Ratzeburger Domkapitel. 1370 ging auch Groß Lankow in dessen Besitz über.
Klein Lankow wurde während des Dreißigjährigen Kriegs zerstört, auch in Groß Lankow gab es 1644 nur noch drei Bauernstellen.
Im Laufe der Zeit wuchs der Ort wieder auf drei Bauernstellen, fünf Büdnereien und drei Katen an. Sogar eine kleine Zwergschule existierte von 1869 bis 1938.
Von 1942 bis 1946 erhöhte sich die Einwohnerzahl durch Ansiedlung von Flüchtlingen von 59 Personen auf über hundert.
1952 ordnete die DDR-Regierung unter dem Decknamen „Ungeziefer“ die erste Zwangsumsiedlung von unliebsamen Bürgern in grenznahen Lagen an – das betraf auch Lankow.
1961 folgte die zweite Zwangsumsiedlung unter dem Decknamen „Kornblume“. In den kommenden Jahren verließen auch die restlichen Einwohner das Dorf.
1973 wurde der Ort gänzlich abgerissen. Die Sprengung erfolgte vermutlich in der Silvesternacht, damit man in Westdeutschland nicht aufmerksam wurde.
Um freies Sicht- und Schussfeld an der Grenze zu gewinnen, wurden Bäume gefällt und der Gebäudeschutt im See entsorgt.
Von 1976 bis 1990 galt Lankow als Sperrgebiet mit entsprechenden Grenzsicherungsanlagen samt Todesstreifen bis in den See hinein.

Inzwischen gehört der Lankower See zum Biosphärenreservat Schaalsee. Die artenreichen Wiesen werden von Schafen beweidet, das Ufer ist bewaldet. Nun leben hier Kraniche, Seeadler, Braunkehlchen, Feldlerchen, Neuntöter … und 2020 sogar der Pirol.
Nur ein paar Mauerreste und rostige Metallstangen, Obst- und Ziergehölze sowie vereinzelte Gartenblumen lassen in der idyllischen Landschaft auf die einstige Besiedlung schließen.